KRIEG UND FRIEDEN AM BEGINN DES 21. JAHRHUNDERTS
Schlatkow 18. 04. 07

Prof. Dr.Dr. Stephan Tanneberger,
Zentrum für Friedensarbeit
Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam

Hier in Schlatkow wurde vor 200 Jahren, am 18. April 1807, dank militärischer Vernunft und Zivilcourage, ein Waffenstillstand geschlossen, der tausende vielleicht zehntausende Menschenleben rettete. Hans Henrik von Essen, der schwedische Generalgouverneur von Pommern und der französische General Edouard Adolphe Motier besaßen die Klugheit die Situation der Welt zu begreifen und hatten den Mut zum Handeln. Acht Jahre später besaß ein anderer General Napoleons nicht diese Klugheit und hatte keinen Mut zum Handeln. Er hatte nicht die Zivilcourage, den befohlenen Weg zu verlassen um zu siegen. Durch die Zaghaftigkeit und Unentschlossenheit des Generals Grouchy wird, wie es Stefan Zweig nennt, „zerschlagen, was der Kühnste und Weitblickendste in zwanzig heroischen Jahren erbaut hat". Man kann sicher streiten über die Rolle Napoleons in der Geschichte. Unbestreitbar ist: Klugheit, Mut und Zivilcourage sind notwendig, wenn es um entscheidende Dinge in unserer Welt geht

Das war so und das wird immer so bleiben. Und deshalb ist Nachdenken über Klugheit, Mut und Zivilcourage heute mehr denn je geboten. Denn es geht in unserem Jahrhundert nicht mehr um entscheidende Dinge sondern wir stehen vor alles entscheidenden Dingen unserer Zivilisation. Das will mancher nicht hören. Aber Klimawandel, Energie- und Trinkwasserkrise, der Vormarsch unheilbarer Krankheiten, sind Dinge, die ohne jeden Zweifel den Fortbestand unserer Zivilisation bedrohen. Wie wir mit diesen Dingen umgehen, macht vielen und auch mir große Sorgen. Irgend etwas stimmt da nicht mehr, mit der Verantwortung für unsere Zivilisation und mit unserem Arterhaltungstrieb. Die Rufe nach Ehrfurcht vor dem Leben, nach Vernunft, von Leuten wie Albert Schweitzer, Einstein, sind verhallt in der Konsumwelt, die uns umgibt. Solche Rufe passen nicht in die Machtwelt, in der wir leben. Macht ist angesagt. Macht einzelner auf Kosten anderer. Macht um jeden Preis. Und die, die Macht haben oder haben wollen, denken nicht daran, daß Macht und Besitz nichts wert sind auf einem Erdball, auf dem Menschen und am Ende sie selbst, nicht mehr leben können.

Das läßt sich leicht am Beispiel Klimawandel und der Einführung alternativer Energie zeigen. Wissenschaftler weisen schon seit über 10 Jahren auf die Gefahren des Klimawandels und eines nicht auszuschließendem Klimakollaps durch den CO2 Anstieg in der Atmosphäre hin. Und der letzte Winter hat uns deutlich vor Augen geführt, was der Report des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wissenschaftlich belegt. In der am 06.04.2007 der Öffentlichkeit übergebenen „Zusammenfassung für Politiker" wurde, ohne jede Irrtumswahrscheinlichkeit, feststellt:
1. Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35% zugenommen. Die Zuwachsrate der letzten 10 Jahre ist die größte seit 50 Jahren. 78% der Erhöhung gehen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22% auf Landnutzungsänderungen (z.B. Rodungen). Die für Klimaänderungen verantwortlichen Änderungen der Strahlungsbilanz werden vorwiegend durch Kohlendioxid verursacht, in kleinerem Umfang durch andere Treibhausgase. Änderungen der solaren Einstrahlung haben dagegen nur einen geringen Einfluss.
2. Die Erwärmung des Klimasystems ist ohne jeden Zweifel vorhanden. Die globale Oberflächentemperatur ist um +0,74°Cgestiegen, und 11 der letzten 12 Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Temperaturzunahme der letzten 50 Jahre ist doppelt so hoch wie die der letzten 100 Jahre, und die Arktis hat sich doppelt so stark erwärmt wie im globalen Mittel. Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen. Die schneebedeckte Fläche hat seit 1980 um etwa 5% abgenommen. Weltweit schrumpfen die Gletscher und tragen gegenwärtig mit 0.8 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei. Das Meereis verzeichnet in der Arktis seit 1978 einen Rückgang im Jahresmittel um 8% und im Sommer um 22%. Die Ozeane sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3000 m. Der Meeresspiegel ist im 20. Jahrhundert um 17 cm gestiegen.
3. Klimaprojektionen für die nächsten 100 Jahre sagen - je nach Energienutzung - eine weitere Temperaturerhöhung (1.8 - 4.0 Grad ) und einen Meeresspiegelanstieg ( 28- 42 cm ) bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraus Auch nach vollständigem Ende der Emissionen wird der Meeresspiegel über viele Jahrhunderte ansteigen, bedingt durch weitere Erwärmung des tiefen Ozeans. Modellergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine dauerhafte Erwärmung deutlich über 3°C zu einem Meeresspiegelanstieg um 7m führen kann. Der Niederschlag wird in höheren Breiten sehr wahrscheinlich zunehmen, während es in den Tropen und Subtropen (einschließlich der Mittelmeerregion) wahrscheinlich zu einer Verminderung des Niederschlags kommen wird.


Das sind alarmierende Zahlen, die rasches Handeln verlangen. Aber trotz vielfältiger Beteuerungen sind wir davon weit entfernt. Das Schicksal der Kyoto Vereinbarung beweist das. Und wie wird es weitergehen? Ermahnungen zu Energiesparlampen oder zum Verzicht auf unnötige Flugreisen sind sicher sinnvoll. Auch wenn den Bürgern neue Belastungen bei Sprit, Kfz Steuer und Maut in Aussicht gestellt werden, ist das sicher wahr und unvermeidlich. Aber alles das, was da vom kleinen Mann erwartet wird, worüber wir uns jetzt die Köpfe heiß reden, ist nur ein kleiner Teil der Erfordernisse und Möglichkeiten für einen erfolgreichen Schritt gegen den drohenden Klimakollaps. Darüber sollte auch der Jubel über eine boomende Öko-Industrie nicht hinwegtäuschen. Die Mittel für einen wirksamen globalen Umwelt- und Klimaschutz können nicht die Bürger und schon gar nicht die in der Dritten Welt, aufbringen. Umweltsteuer, grüne Marke am Auto, sind richtig Doch damit werden wir die Probleme nicht lösen. Aber für umfassende Subventionen und kühne Investitionen zum Klimaschutz haben die Staaten kein Geld, wird gesagt. Die Mittel zu intensiverer Klimaforschung, für eine neue technischen Revolution, wie das manche nennen, sind nicht da. Aber das stimmt doch nicht. Wir reden über Energieeinsparung beim kleinen Mann, in China, in Indien, aber wir reden nicht über die globale Rüstung, welche die dringend gebrauchten Mittel für einen wirklichen Kampf gegen den Klimawandel bindet. Reden nicht über die 80 blutigen Kriege in den letzten hundert Jahren, die unsinnig kostbarste Ressourcen verschlungen haben und immer noch ständig verschlingen. Wir leben auf einem Erdball der globalen Hochrüstung, wo schon der Krieg in den Sternen anvisiert wird, wo Raketenschilde geplant werden, wo Armeen, Flotten mit riesigem Energieaufwand um den halben Erdball transportiert werden. Einem Erdball, wo militärische Rüstung die Welt heute schon wieder mehr Geld kostet, als zu Zeiten des kalten Krieges. Das ist es vor allem, was unseren Erdball an den Rand des Klimakollaps führt. Und darüber müssen die Verantwortlichen ganz schnell reden und vor allem müssen die etwas tun. Aber bisher tun sie nicht. Dazu einige Zahlen:

·1 Jahr Irakkrieg kostet 120 Milliarden US $. Das ist mehr als die USA jährlich für Forschung und Entwicklung ausgeben
·Die jährlichen Ausgaben für die Erforschung alternativer Energien betragen in
der EU zur Zeit ca. 2 Milliarden bei 175 Milliarden Ausgaben für „Verteidigung".
·Deutschland gibt ca.1 Milliarde für die Erforschung alternativer Energien aus. Um die Erderwärmung zu stoppen, wären in Deutschland jährliche Investitionen in Höhe von vier Milliarden Euro erforderlich (erneuerbare Energien, Wärmedämmung) die nicht da sind. Ausgaben für „Verteidigung": 32 Milliarden pro Jahr.
Und so und ähnlich gehen wir auch mit anderen Zivilsationsrisiken um. Für die
· Krebsforschung geben die USA gegenwärtig 5,5 Milliarden pro Jahr aus, für die Erforschung neuer Waffen 84 Milliarden
·Pakistan, ein Land mit 55% Analphabeten, gibt mehr für Rüstung aus, als für Gesundheit und Bildung

Solche Fehlleistungen unserer Zivilisation zu verändern, fällt offenbar schwer. „Das Ergebnis des Weltklimagipfels 2006 in Nairobi ist frustierend" mußte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) einschätzen. Und Beobachter des EU Klima-Gipfels vom März 2007 schätzten ein: „Im Detail erweist sich der EU Klimakompromiß als Trickserei. Die Politik reagiert mit Rechenspielchen auf die größte Bedrohung der Gegenwart. Zum Verhindern der Klimakatastrophe fehlt ihr der Mumm". So werden wir also nicht weiterkommen. Mit Konferenzreden, Toasts beim Dinner und Händeschütteln vor der Kamera. Den Krieg gegen die großen Bedrohungen unserer Epoche werden wir nicht gewinnen ohne mutige Generäle, ohne kluge Leute, mit der Zivilcourage zum Handeln im Interesse unserer Zivilisation. Und das nicht morgen oder gar übermorgen, sondern heute.

Ein Waffenstillstand auf dieser Erde muß her. Schnell. Und darüber sollten die Mächtigen der Welt im Juni in Heiligendamm reden. Klar und unmißverständlich. Sie sollten alle ihre politische Macht denen entgegensetzen, die Waffen entwickeln, bauen und verkaufen. Und sie sollten die eigene Machtwünsche kritisch überdenken und dabei nicht vergessen: Was nützt ihren Völkern, den eigenen Kindern die Macht, wenn unsere Zivilisation zu Grunde geht. In diesem Sinne kann uns Schlatkow und der Mut zweier Generäle eine Menge lehren. Es braucht ca. 16 Billionen $, haben kluge Leute ausgerechnet, um dem Klimawandel auf unserem Globus rasch und wirksam zu begegnen. Eine gigantische Summe. Aber das heißt nicht mehr und nicht weniger, als 10 Jahre Waffenstillstand auf unserer Erde. Keine Waffenproduktion, keine Rüstung, kein Krieg. Natürlich ist so ein Entschluß nicht einfach. Die Politiker werden mit den Schultern zucken, abwinken oder lachen. Aber wie lange werden sie noch lachen. Die Natur fragt nicht danach, was G.W. Bush will. Sie werden den Verlust von Arbeitsplätzen ins Feld führen. Aber was sagte kürzlich einer resignierend, der was von der Sache versteht: Manchen Leuten kostet die Rettung der Welt eben zu viele Jobs.

Aber man darf nicht resignieren. Zu viel steht auf dem Spiel. Und wenn nicht sofort weltweiter Frieden gelingt, dann setzen wir vielleicht wenigstens 15% weniger Geld in Deutschland für den Verteidigungshaushalt ein. Ein Signal wäre das. Und dann hat unser Land die Mittel, um alles zu finanzieren, was Deutschland braucht für den Klimaschutz. Soviel Mut müssen wir schon haben, wenn wir weiterleben wollen. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Generälen Hans Henrik von Essen und Adolphe Mortier. Haben wir Mut zum Frieden! Haben wir den Mut zur Erhaltung unsere Zivilisation ! Fordern wir von den Mächtigen der Welt die Klugheit, vielleicht einen Streit zu verlieren, aber eine Welt zu gewinnen.

Ich bringe Ihnen die Grüße des Zentrums für Friedensarbeit-Otto Lilienthal- Hansestadt Anklam . Wir sind auch nicht immer mutig, aber wir versuchen uns und anderen ein bißchen Mut zu machen, zum mutig sein.
AUFRUF ZUR SCHAFFUNG EINES Waldes für Frieden und gegen Klimawandel IN ANKLAM

Der am 02.02.2007 veröffentlichte 4. Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das von der World Meteorological Organisation und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen geschaffen wurde, stellt eine Reihe Änderungen im Klimasystem der Erde fest. Die wichtigsten davon sind folgende:
1. Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35% von 280 ppm auf 379 ppm im Jahr 2005 zugenommen. Die Zuwachsrate der letzten 10 Jahre ist die größte seit 50 Jahren. Der heutige Wert ist der größte in den letzten 650.000 Jahren. 78% der Erhöhung gehen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22% auf Landnutzungsänderungen (z.B. Rodungen).
2. Die für Klimaänderungen verantwortlichen Änderungen der Strahlungsbilanz werden vorwiegend durch Kohlendioxid verursacht, in kleinerem Umfang durch andere Treibhausgase. Änderungen der solaren Einstrahlung haben dagegen nur einen geringen Einfluss.
3. Die Erwärmung des Klimasystems ist ohne jeden Zweifel vorhanden. Die globale Oberflächentemperatur ist um +0,74°C gestiegen
4. Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen.
5. Die Ozeane sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3000 m. Diese Erwärmung hat zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen. Der Meeresspiegel ist seit 1993 durchschnittlich um etwa 3 mm pro Jahr gestiegen, im 20. Jahrhundert um 17 cm. Davon ist etwas mehr als die Hälfte verursacht durch thermische Ausdehnung des wärmeren Ozeans, etwa 25% durch Abschmelzen der Gebirgsgletscher, und etwa 15% durch das Abschmelzen der Eisschilde.
6. Klimaprojektionen für die nächsten 100 Jahre lassen sich überzeugend durch Klimamodelle simulieren. Solche Modelle sagen - je nach Energienutzung - eine weitere Temperaturerhöhung und einen Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraus. Für die letzte Dekade des 21. Jahrhunderts ist der wahrscheinlichste Wert der globalen Erwärmung für das niedrigsteSzenario 1.8°C (1.1-2.9°C), und für das höchste Szenario 4.0°C (2.4-6.4°C). Für den Anstieg des Meeresspiegels sind die Projektionen für 2090-2100: 18-38 cm für das niedrigste und 26-59 cm für das höchste Szenario.
7. Modellergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine dauerhafte Erwärmung deutlich über 3°C über Jahrtausende zu einem vollständigen Abschmelzen des grönländischen Inlandeises führen würde, entsprechend einem Meeresspiegelanstieg um 7m.

Die öffentliche Reaktion auf diese absolut gesicherten Tatbestände ist sehr unterschiedlich und reicht von Horrorszenarien bis zu ironischer, skeptischer oder befremdlicher Ignoranz. Beides ist falsch. Richtig ist das zu tun, was die Menschheit bisher immer getan hat, wenn Gefahr droht, nämlich präventiv zu denken und zu handeln. Tatenlosigkeit angesichts von persönlichen oder gesellschaftlichen Risiken kann schlimme und schlimmste Folgen haben. Das gilt für den Klimawandel weit mehr als für Risiken im Straßenverkehr, Seuchen oder Tabakschaden. Und Geschwindigkeitskontrollen, Schutzimpfungen oder Nichtraucherschutz praktizieren wir mit hohen Kosten bei einem weitaus geringerem Zivilisationsrisiko als beim Klimawandel. Die Maßnahmen gegen die Vogelgrippe sind das überzeugendste Beispiel für präventives Denken in den letzten Jahren. Selbst einschneidende Maßnahme, nachtteilig für Tourismus und die Kleintierhaltung, wurden rigoros durchgesetzt.
Beim Klimawandel verläuft alles bisher anders. Seit mindestens 10 Jahren weisen Wissenschaftler auf die wachsende Gefahr der Treibhauseffekts hin. Die Antwort der Weltöffentlichkeit darauf war für lange Zeit zögerlich. Politik und Wirtschaft versagten. Das Kyoto-Protokoll wurde von der Weltführungsmacht USA, die gleichzeitig Hauptverursacher des Klimawandels ist, nicht unterzeichnet. Gigantische Militärhaushalte versperren den Weg zu angemessenen Maßnahmen zur Senkung der Kohlendioxyd-Belastung der Atmosphäre. Konferenzen wie der EU Gipfel im März 2007 müssen erst nachweisen, daß außer verbalen Beteuerungen, Maßnahmen in Gang gebracht werden, die meßbar etwas verändern.
Im Gegensatz zum weitgehenden Versagen der Verantwortlichen, gibt es eine wachsende außerparlamentarische Weltbewegung für Klimaschutz. An deren Spitze hat sich der ehemalige Vizepräsiden der USA, Al Gore, gestellt. Von ganz entscheidender Bedeutung war der Aufruf der Friedensnobelpreisträgerin 2004, Wangari Maathai, auf der UN Klimakonferenz im November 2006 in Nairobi, eine Milliarde Bäume zum pflanzen. Die Stiftung Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal-Hansestadt Anklam fühlt sich seit Ihrer Gründung im Januar 2005 und mit ihrem Motto „für Frieden zwischen den Menschen und mit der Natur" dem Zusammenhang zwischen Frieden und Umweltschutz verpflichtet. Demgemäß war es selbstverständlich, sich der Initiative von Wangari Matthai anzuschließen.
Unter den als Abwehr möglichen Maßnahme zum Klimaschutz spielen Baumpflanzungen, Dächerbegrünung und andere Maßnahmen zur Steigerung der Kohlendioxyd Assimilation eine wichtige Rolle. Gegenüber anderen Maßnahmenkomplexen zeichnen sich solche Initiativen durch Einfachheit und geringe Kosten aus. Natürlich weisen Skeptiker darauf hin, daß man mit Baumpflanzungen allein, nicht den Klimawandel aufhalten wird. Aber alle sind sich einig, daß nur ein Netzwerk aus unterschiedlichen Maßnahmen, die fortschreitende Verwüstung unserer Atmosphäre aufhalten kann.
Dank der Arbeiten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verfügen wir über wissenschaftliche Arbeiten, in denen nachgewiesen wird, daß eine natürliche Kohlendioxyd-Verklappung durch Aufforstung eine sinnvolle und billige Maßnahme der CO2 Reduzierung ist. Aloys Hüttermann von der Universität Göttingen und Jürgen Metzger von der Universität Oldenburg, beides Mitglieder der Umweltchemie-Fachgruppe der GDCh. begründen in einem Beitrag in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nachrichten aus der Chemie" (Bd. 52, S. 1133) den Wert einer Wiederaufforstung und weisen darauf hin, daß die Produktion von Biomasse seit Millionen von Jahre eine erprobte Form der Festlegung von Kohlendioxyd aus der Atmosphäre ist. Hüttermann und Metzger rechnen vor, daß ein Hektar Wald in einem Zeitraum von 50 Jahren 2000 bis 3000 Tonnen Kohlendioxyd in Form von Holz und Humus akkumuliert. In die Waagschale zugunsten der Aufforstung werfen Hüttermann und Metzger zudem, daß man damit der fortschreitenden Entwaldung und Wüstenbildung entgegenwirken kann. Anpflanzungen verhindern, daß der Erdboden erodiert, und sie verbessern dessen Fähigkeit, Wasser zu speichern. Diese Forschergruppe verweist zudem darauf, daß sich grundsätzlich aus Holz all das herstellen läßt, was wir als Grundlage für unsere Zivilisation benötigen und nutzen diese Feststellung zum Appell, die Weltwirtschaft ökologisch umzubauen. Anstatt aus fossilen Ressourcen könnten Treibstoffe und Chemikalien - kohlendioxydneutral - aus der Biomasse von den aufgeforsteten Flächen gewonnen werden.
Ganz besonders spricht für Aufforstungsinitiativen, daß hier im Gegensatz zu anderen Maßnahmen des Klimaschutzes ( eingeschränkte Pkw -Nutzung, Abgas-arme Autos, Veränderung der Flugreisegewohnheiten u.a,) sehr rasch Verständnis und Zustimmung in der breiten Bevölkerung erreicht wird. In Österreich sprechen sich gemäß einer repräsentativen Umfrage 85% der Bevölkerung für rasche Aufforstungsmaßnahmen aus. Seitens der Stiftung Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal- Hansestadt Anklam wurde die gleiche Erfahrung gemacht. Die Initiative Friedenswald fand viel Unterstützung bei den Anklamern. Spontan haben 30 Personen verbindlich zugesagt, das Vorhaben Friedenswald mit Eigenleistungen verschiedenster Art zu unterstützen. Diese haben verstanden, daß keine Zeit mehr für verbale und zeitraubende Erörterungen zum Klimaschutz gegeben ist, sondern daß es auf rasches und effektives Handeln ankommt, wenn ein Klimakollaps verhindert werden soll. Sie haben verstanden, daß der dringlich Aufruf von Wangari Matthai nicht ein Aufruf für das nächste Jahrzehnt, sondern für 2007 ist.
Es besteht kein Zweifel, daß Anklam, als die erste und vorerst einzige Stadt in Mecklenburg- Vorpommern mit einem Friedenswald, weiter an Profil als Stadt des Friedens gewinnt. Die Initiative der Stiftung, welche bereit ist, die volle, auch ökonomische Verantwortung für die 1. Etappe auf dem Weg zu einem Wald für Frieden in Anklam (Aufforstung Fläche B) zu übernehmen, sollte als Start für eine weitergehende Aufforstung, als gemeinsames Anliegen von Stadt und Stiftung, verstanden werden. Anklam wird so ein Beispiel geben, wie eine Stadt sich Fragen unserer Zeit stellt und zudem touristisch noch attraktiver werden.

Prof. Dr Dr. Stephan Tanneberger
Stiftungsvorstand
Inhalt:
Afghanistan--   ---Wald für Frieden in Anklam-----     -----Krieg und Frieden am Beginn des 21. Jahrhunderts-----
Seite 1
-----Friedenskonferenz-----        -----Offener Brief an die Bundeskanzlerin, Position der Anklamer Bürger zum G8 Gipfel-----
Prof. Dr. Johannes Esser                   Universität Lüneburg
21365 Adendorf
johannes.esser@freenet.de <mailto:johannes.esser@freenet.de>



                                   "Was hat Afghanistan mit mir zu tun?"
                            - Neue Herausforderungen der Friedenspädagogik - (1)

THESE 1:

Die Realitäten in Afghanistan machen gegenwärtig radikales Denken und grundsätzlich neue Überlegungen über Kriegsalternativen erforderlich. Denn das Kriegsende in Afghanistan ist ungewiss.
Aus meiner Sicht ist daher eine Volksbefragung zum Rückzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan überfällig. Dabei möchte ich herausstellen: Die konträren Positionen der Berliner parlamentarischen Entscheidungen gegenüber der Meinungsmehrheit der deutschen Bevölkerung zur Frage der Bundeswehreinsätze in Afghanistan fördern keine friedensorientierte demokratische Kultur.
Was dagegen notwendig ist, bezieht sich auf die Bündelung aller gesellschaftlichen Friedensinteressen zur Stabilisierung von realen Friedenschancen; des weiteren kommt es auf die Überwindung der instabilen gesellschaftlichen Infrastruktur an, z. B. durch eine Vielzahl von qualifizierten zivilgesellschaftlichen Friedens- und Konfliktprojekten, die mit professionellen Friedensfachkräften besetzt werden.
Falls dabei die Friedensarbeit als Frühwarnsystem gegen Krieg und Gewalt und für eine zukunftsfähige alternative Friedenspädagogik verstanden werden kann, dürfte dies zu einem überragenden Stellenwert gesellschaftlicher Friedensfähigkeit führen.


THESE 2:

Die in der Friedenspädagogik gerade auch zu lokalen Problemen zu realisierenden Innovationen sind schon im institutionellen Schulalltag unerlässlich.
Durch eine derartige Praxis, die seit Jahren für die moderne Schule gefordert wird, kann die soziale Aufmerksamkeit, die veränderte Bewusstseinspraxis, der konstruktive dialogische Widerspruch und der Widerstand gegen Fehlentwicklungen, Unmensch­lichkeiten und Unterdrückungsmethoden zur Geltung kommen.
Das ist die zu thematisierende kritische Aufklärungsarbeit einer politischen Friedenspädagogik, beispielsweise auch durch die Klärung nachfolgender Fragen:
Was kostet ein Kind oder ein Jugendlicher im aufgezwungenen Hartz-IV-Milieu, wenn Armut in der Familie bei Arbeitslosigkeit und knapper Kasse bewältigt werden soll? Welche sozio-kulturellen Auswirkungen spielen nach jüngsten Quellen eine große Rolle? Ist etwa die Ankündigung der Berliner Regierung für das Wahljahr 2009 bezüglich der massiven Reduzierung von bundesweiter Armut bei Kindern und Jugendlichen eine zuverlässige Aussage? Unverzichtbare Lebensbedingungen des inneren Sozialen Friedens sollten gegen benachteiligte Bürgerinnen und Bürger weder ausgehebelt noch zerstört werden.

THESE 3:

Friedenspädagogische Bildungsarbeit erfordert sowohl für lokale als auch für weltweite Themen eine neue und erweiterte entwicklungspolitische Basis in Schule, Hochschule und Fortbildungseinrichtungen, die vernetzt werden sollten.
Die Umsetzung mit pädagogischen Teams intendiert die Auflösung von friedensfernen Bedingungen und Verhältnissen durch Friedensstrukturen (ESSER/von Kietzell u.a. 1996).
Friedenspädagogische Bildungsarbeit müsste im Schulbereich auf den fächerübergreifenden Ausbau der Friedenspädagogik ausgerichtet werden.
Erfolgreiche Motivationsmethoden könnten dazu eine wichtige Arbeitsunterstützung darstellen (SMOLKA 2004; RHEINBERG 2006).

THESE 4:

Die Weiterentwicklung der Friedensbildung und Friedensfähigkeit (ESSER 2008) ist mit der Erarbeitung von neuen Grundlagen und Alternativen der Gewaltkultur zu ergänzen. Praktische Ansätze betreffen natürlich die Friedensarbeit in der Schule genauso wie die pädagogisch-politische Arbeit für Kommunale Friedensarbeit.
Für eine friedensfähige Demokratie ist deshalb für institutionelle, innergesellschaftliche und internationale Aufgaben und Projekte die Friedenspädagogin / der Friedenspädagoge als neuer Beruf für Schule, Sozialarbeit und politische Erwachsenenbildung überfällig. Dieser Berufsschwerpunkt kann an Hochschulen, Universitäten und Fortbildungseinrichtungen der Sozialpädagogik realisiert werden.
Fördermaßnahmen für die politische Friedenspädagogik zielen auf internationale Pilotprojekte von Friedensorganisationen, auf Projekte der UNESCO, auf Stiftungen für wissenschaftliche Forschungsprojekte, auf Modellprojekte der EU, auf die Berliner Bildungspolitik zur Einrichtung von Lehrstühlen, auf die Bildungs- und Hochschulpolitik der Länder, auf innovative Hochschulprojekte.
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