aktuelles aus Anklam
ehemalige Kriegsschule
(vor 1945)
später Wohnraum für viele
Familien
heute bemüht sich die
Stiftung
Zentrum für Friedensarbeit
Otto Lilienthal + Hansestadt
Anklam
um diese Gebäude
ehemaliges Wehrmachtsgefängnis
Anklam
ehemaliges Wehrmachtsgefängnis
"Zelle der letzten Nacht"

nachgewiesen sind
139 Hinrichtungen

Geschichte der Gebäude
Ein Denkmal im Friedenszentrum
Informationen zum ehemaligen NS - Wehrmachtsgefängnis Anklam
Das Wehrmachtsgefängnis Anklam gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den sieben zentralen Wehrmachtsgefängnissen im sogenannten Heimatkriegsgebiet. In dieser Zeit sind mehrere tausend Wehrmachtsangehörige inhaftiert gewesen. Neben kriminellen Delikten kamen zahllose Wehrmachtsangehörige in das Anklamer Gefängnis wegen Fahnenflucht, unerlaubter Entfernung und Wehrkraftzersetzung. Bisher ist bekannt, dass 134 Soldaten und Offiziere in Anklam hingerichtet wurden, zumeist wegen Fahnenflucht. Sie wollten sich aus ganz unterschiedlichen Motiven dem weiteren Einsatz für die verbrecherischen Kriegsziele der Nationalsozialisten entziehen. Während des Zweiten Weltkrieges bestanden ca. 1000 Kriegsgerichte, von denen geschätzte 30.000 Todesurteile verhängt wurden, davon wurden 20.000 vollstreckt. Im Vergleich: Während des Ersten Weltkrieges ließ die deutsche Militärjustiz 48 Todesurteile vollstrecken. Durchdrungen von nationalsozialistischem und rassenbiologischem Gedankengut, erfüllt von blinder Pflichterfüllung, wurden die NS-Militärrichter zu aktiven Werkzeugen des faschistischen Terrors. Mit zunehmender Kriegsdauer saßen immer weniger Verurteilte ihre Strafen in den Wehrmachtsgefängnissen ab. Von hier gingen die Transporte in die berüchtigten Bewährungs- und Strafeinheiten, zumeist an der Ostfront. Lebensgefahr, Schikane, geringste Verpflegung und mangelnde medizinische Versorgung gehörten zum Alltag der "anderen Soldaten".

Chronologie zum WG Anklam

Januar 1934                 Wiedereinführung der Militärgerichtsbarkeit
                                    am 1. Oktober 1936 das Reichskriegsgericht in Berlin gegründet
März 1935                   Wiedereinführung der Wehrpflicht
August 1939                 Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO) tritt in Kraft, verschärft
                                    das Strafmaß und weitet Strafandrohungen aus, Fahnenflucht und
                                    das neu eingeführte Delikt "Wehrkraftzersetzung" gelten als
                                    politische Verbrechen
1939/40                       Bauliche Fertigstellung des Wehrmachtsgefängnisses Anklam, seine
                                    Kapazität ist auf ca. 600 Häftlinge berechnet, im Kellergeschoss ist
                                    der Todeszellentrakt mit 19 Zellen ausgestattet
5. November 1941       Die ersten drei Soldaten werden hingerichtet
1942                            Laut Strafvollstreckungsplan ist das WG Anklam Zielort für Verurteilte
                                    aus den Wehrkreisen I, II und XX (Mecklenburg, Pommern,
                                    West- und Ostpreußen), den Luftgauen I und XI, dem Ostseebereich
                                    der Marine, den Bereichen der Heeresgruppe Nord, des
                                    Wehrmachtbefehlshabers Ost-Ostland sowie den besetzten
                                    skandinavischen Staaten
1942                            Das WG Anklam unterhält Wehrmachtsgefangenenabteilungen (Arbeits-
                                    Außenkommandos) in Clauen bei Hannover, Bernau, Fallingsbostel
                                    (nördlich von Hannover) und Peenemünde
1942                            Beginn der Aufstellung von Feldstrafgefangenen-Abteilungen (FGA) für
                                    die Ostfront. In Anklam werden die FGA 3, 8, 11 und 14 aufgestellt
                                    und wahrscheinlich kontinuierlich aufgefüllt.
August/Sept.1944       
 Aus dem WG Anklam kommen mehrere hundert Häftlinge in die
                                    Sonderformation Dirlewanger zur Niederschlagung des Warschauer
                                    Aufstandes
26. April 1945             Die letzten beiden Hinrichtungen finden im WG Anklam statt
28. April 1945             Wachpersonal und die wenigen verbliebenen Häftlinge marschieren in Richtung
                                    Westen und werden von der Roten Armee festgenommen
1945 - 1990                Todeszellen werden Erinnerungsstätten, der Rest Getreidelager
1990 - 2005                
 keine Nutzung
2005                           
 die Stiftung Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt
                                   
 Anklam übernimmt das Gebäude


Ausführlichere Informationen finden Sie in der Broschüre "Das ehemalige Wehrmachtsgefängnis Anklam"
von U. Schulz und Stephan Tanneberger 2012






Ehemaliges Wehrmachtsgefängnis Anklam nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im Mai 2008
und sein Umfeld, die Südstadt Anklam