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Ein Leben für Gesundheit und Frieden auf der Welt

Ehrenvorsitzender des Vorstandes
Prof. Dr. Dr. Stephan Tanneberger verstorben

 

Das Zentrum für Friedensarbeit „Otto Lilienthal“ der Hansestadt Anklam trauert um den Ehrenvorsitzenden seines Stiftungsvorstandes, Prof. Dr. Dr. Stephan Tanneberger, der am 5. März 2018 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

 

Prof. Tanneberger, ausgebildet als Chemiker und Arzt, war in seinem Berufsleben vor allem Wissenschaftler und Krebsforscher. Aufklärung der Wirkmechanismen von Tumoren und Entwicklung von Heilungsstrategien waren seit den 1960er Jahren sein tragender Lebensinhalt. Während einer mehr als zwei Jahrzehnte währenden Leitungstätigkeit am Zentralinstitut für Krebsforschung der DDR (1974 bis 1990 als Direktor) sowie seiner dann folgenden Zeit als Ärztlicher Direktor und Forschungsleiter bei der Nationalen Krebsbekämpfungsassoziation Italiens und als Professor der Universität Bologna hat er große Beiträge zur Aufklärung des Phänomens Krebs und zur Entwicklung effektiver Heilungs- und Linderungsstrategien geleistet. 282 Publikationen und 612 Konferenzbeiträge sind dafür eindrucksvolles Zeugnis.

 

Sich bei alledem für Frieden zwischen den Menschen und mit der Natur einzusetzen, war für Prof. Tanneberger eine Selbstverständlichkeit. Geboren 1935, musste er als Zehnjähriger mit ansehen, wie sein Chemnitzer Elternhaus im Krieg bis auf die Grundmauern abbrannte. Ein Erlebnis, das ihn ebenso wie die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre sehr geprägt hat. Nicht zuletzt aus dieser Leiderfahrung heraus bezog Tanneberger immer wieder Motivation für seine Tätigkeit als Arzt. Doch schon zu DDR-Zeiten, vor allem aber in seiner späten Berufsphase nach der deutschen Wiedervereinigung, setzte sich Prof. Tanneberger parallel zu seiner medizinischen Arbeit intensiv als Entwicklungshelfer und Friedensbotschafter für die internationale Völkerverständigung ein. Wo andere reden, wollte er etwas tun. Deshalb war er seit den 1990er Jahren für die Weltgesundheitsorganisation WHO als Berater in Bangladesh, Albanien, Indien und Korea unterwegs, setzte sich für den Aufbau einer leistungsfähigen Medizin in Entwicklungsländern ein und war sich bei all dem Wirken auf der internationalen Bühne nie zu schade, zum einfachen Patienten zu gehen, Visite an der Basis zu fahren, dort wo das Leid am größten und die helfende Hand am nötigsten war.

 

Als Prof. Tanneberger dann Mitte der 2000er Jahre seinen Lebensmittelpunkt auf die Insel Usedom verlagerte, hieß das statt Ruhestand ein neues Projekt zu beginnen. 2005 gründete er gemeinsam mit Frau Landrätin Dr. Barbara Syrbe, Herr Bürgermeister Michael Galander, Dr. Michael Waßermann, Prof. Dr. Michael Succow, Prof. Otto Kummert, Prof. Dietmar Enderlein  das Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam. Die Beteiligten einte die Überzeugung, dass Frieden heute nicht mehr nur etwas für ein paar Pazifisten oder den Weihnachtsabend ist, sondern schlicht eine Überlebensfrage für die Zivilisation. Mit aktiver Friedensarbeit wollten und wollen die Anklamer Aktivisten verdeutlichen, dass die Menschheit alle ihre Ressourcen in Entwicklungen zum Wohle der Menschen investieren sollte, nicht jedoch in kriegerische Auseinandersetzungen.  Als Vorsitzender des Stiftungsvorstands hatte Stephan Tanneberger  wesentlichen Anteil daran, dass sich in der gesellschaftlich problemreichen Region um Anklam ein progressives politisches Leben etabliert hat. Wichtige Erfolge dieser Zeit waren die Einrichtung des ehemaligen Wehrmachtsgefängnisses in Anklam als Gedenkstätte, die Durchführung zahlreicher Diskussions- und Vortragsveranstaltungen vor Ort sowie die Anpflanzung des Anklamer Waldes für Frieden und gegen Klimawandel, der mit seinen demnächst Tausend Bäumen am Umweltprogramm der Vereinten Nationen mitwirkt.

 

Angesichts einer schweren Erkrankung hat Prof. Tanneberger 2016 den Stiftungsvorsitz an Herrn Michael Galander als engagierten Nachfolger abgegeben. In der ihm verbliebenen Lebenszeit gelang es Tanneberger noch, zwei Werke fertigzustellen, die ihm besonders am Herzen lagen: Nach dem seiner Kindheit und Jugend gewidmeten Titel „Barfuß übers Stoppelfeld“ entstand als letztes Werk „Wahrheitssuche“, in dem sich Prof. Tanneberger auf literarische Art mit brennenden Fragen der Geschichtsaufarbeitung befasste.

 

In der Wahrheitssuche nicht nachzulassen, dabei friedlich miteinander umzugehen und auf dem Boden der Wissenschaft zu bleiben, das ist vielleicht am ehesten als Vermächtnis  Prof. Tannebergers zu bezeichnen. Möge der Frieden, für den Stephan Tanneberger sein Leben lang gekämpft hat, nun auch ihm beschieden sein.

 

Michael Galander, Bürgermeister der Hansestadt Anklam, Vorsitzender des Stiftungsvorstands

Dr. Barbara Syrbe, Landrätin des Kreises Vorpommern-Greifswald, Vorsitzende des Stiftungskuratoriums

 

 

Literaturhinweis: Alle von Prof. Tanneberger in den letzten Jahren verfassten Bücher sind über das Zentrum für Friedensarbeit in Anklam zu beziehen. Sie möchten ein Buch von Prof. Tanneberger bestellen oder vor Ort einkaufen? Hier die Kontaktdaten:

Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam

Büro: Stockholmer Straße 7, 17389 Anklam
Tel.: 03971 2937999, Fax: 03971 2934384
E-Mail:   info@friedenszentrum-anklam.de
Internet: www.friedenszentrum-anklam.de

 

Tanneberger, Stephan; Franco Pannuti, Peter Houts und Julia Bucher: Jemand in meiner Familie hat Krebs. Was kann ich tun? 98 S., Paperback, ISBN 3-88603-551-4. W. Zuckschwerdt Verlag, München, 1995

 

Tanneberger, Stephan: Es wird einen wunderschönen Frühling geben. Erlebnisse eines Krebsarztes auf drei Kontinenten. 2. Auflage, 224 S., Paperback, ISBN 3-932180-67-4. Verlag am Park, Berlin, 2000

 

Tanneberger, Stephan und Franco Pannuti: Krebs im Endstadium. Das Lebensende Krebskranker daheim: Illusion oder Herausforderung des 21. Jahrhunderts. 98 S., Paperback, ISBN 3-88603-752-5. W. Zuckschwerdt Verlag, München, 2001

 

Tanneberger, Stephan: Lebensblätter. Erlebnisse im Kampf gegen Krebs und Krieg. 191 S., ISBN 3-360-00995-9. Verlag Das Neue Berlin, Berlin, 2003

 

Tanneberger, Stephan; Franco Cavalli, Franco Pannuti: Cancer in Developing Countries – The Great Challenge for Oncology in the 21st Century. 178 Seiten, zahlr. Tab. u. Abb., ISBN 3-88603-830-0. W. Zuckschwerdt Verlag, München, 2004

 

Tanneberger, Stephan: Notlandung. 367 S., Paperback. ISBN 978-3-938398-95-1. Scheunen-Verlag, Kückenshagen, 2010

 

Stephan Tanneberger: Wahrheit braucht die Welt und keine Waffen. Gedanken zur Friedensarbeit im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis Anklam. 28 S., Broschur. Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam, 2012

 

Tanneberger, Stephan: Alt werden – (k)ein Kunststück? 93 S., Paperback, ISBN 978-3-86371-094-1. W. Zuckschwerdt Verlag, München, 2013

 

Stephan Tanneberger: Das ehemalige NS-Wehrmachtsgefängnis Anklam. 114 S., Paperback. Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam, 2013

 

Stephan Tanneberger: Der Wald für Frieden und gegen Klimawandel. 42 S., Broschur. Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam, 2014

 

Poersch, Andreas; Gerhard Brandl und Stephan Tanneberger: Nutzung von Meereswellenenergie – eine Herausforderung. Frieden zwischen den Menschen und mit der Natur. 70 S., Broschur. Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam, 2015

 

Tanneberger, Stephan: Barfuß übers Stoppelfeld. 150 S., Paperback, ISBN 978-3-945187-50-0.  verlag am park in der edition ost Verlag und Agentur GmbH, Berlin, 2015

 

Tanneberger, Stephan: Wahrheitssuche. Über eine Mauer in Berlin und die Welt von morgen. 242 S., Paperback, ISBN 978-3-947094-07-3.  verlag am park in der edition ost Verlag und Agentur GmbH, Berlin, 2017