Das ehemalige Wehrmachtsgefängnis in Anklam

Ein Denkmal im Friedenszentrum 

Informationen zum ehemaligen NS - Wehrmachtsgefängnis in Anklam 

Das Wehrmachtsgefängnis Anklam gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den sieben zentralen Wehrmachtsgefängnissen im sogenannten Heimatkriegsgebiet. In dieser Zeit sind mehrere tausend Wehrmachtsangehörige inhaftiert gewesen. Neben kriminellen Delikten kamen zahllose Wehrmachtsangehörige in das Anklamer Gefängnis wegen Fahnenflucht, unerlaubter Entfernung und Wehrkraftzersetzung. Bisher ist bekannt, dass 134 Soldaten und Offiziere in Anklam hingerichtet wurden, zumeist wegen Fahnenflucht. Sie wollten sich aus ganz unterschiedlichen Motiven dem weiteren Einsatz für die verbrecherischen Kriegsziele der Nationalsozialisten entziehen. Während des Zweiten Weltkrieges bestanden ca. 1000 Kriegsgerichte, von denen geschätzte 30.000 Todesurteile verhängt wurden, davon wurden 20.000 vollstreckt. Im Vergleich: Während des Ersten Weltkrieges ließ die deutsche Militärjustiz 48 Todesurteile vollstrecken. Durchdrungen von nationalsozialistischem und rassenbiologischem Gedankengut, erfüllt von blinder Pflichterfüllung, wurden die NS-Militärrichter zu aktiven Werkzeugen des faschistischen Terrors. Mit zunehmender Kriegsdauer saßen immer weniger Verurteilte ihre Strafen in den Wehrmachtsgefängnissen ab. Von hier gingen die Transporte in die berüchtigten Bewährungs- und Strafeinheiten, zumeist an der Ostfront. Lebensgefahr, Schikane, geringste Verpflegung und mangelnde medizinische Versorgung gehörten zum Alltag der "anderen Soldaten".

 

Chronologie zum WG Anklam

Januar 1934

Wiedereinführung der Militärgerichtsbarkeit

1. Oktober 1936

Das Reichskriegsgericht in Berlin gegründet

März 1935

Wiedereinführung der Wehrpflicht

August 1939  

Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO) tritt in Kraft, verschärft das Strafmaß und weitet Strafandrohungen aus, Fahnenflucht und das neu eingeführte Delikt "Wehrkraft-zersetzung" gelten als politische Verbrechen

1939/40

Bauliche Fertigstellung des Wehrmachtsgefängnisses Anklam, seine Kapazität ist auf ca. 600 Häftlinge berechnet, im Kellergeschoss ist der Todeszellentrakt mit 19 Zellen ausgestattet

5. November 1941

Die ersten drei Soldaten werden hingerichtet

1942

Laut Strafvollstreckungsplan ist das WG Anklam Zielort für Verurteilte aus den Wehrkreisen I, II und XX (Mecklenburg, Pommern, West- und Ostpreußen), den Luftgauen I und XI, dem Ostseebereich der Marine, den Bereichen der Heeresgruppe Nord, des Wehrmacht-befehlshabers Ost-Ostland sowie den besetzten skandinavischen Staaten

1942

Das WG Anklam unterhält Wehrmachtsgefangenenabteilungen (Arbeits-Außenkommandos) in Clauen bei Hannover, Bernau, Fallingsbostel (nördlich von Hannover) und Peenemünde

1942

Beginn der Aufstellung von Feldstrafgefangenen-Abteilungen (FGA) für die Ostfront. In Anklam werden die FGA 3, 8, 11 und 14 aufgestellt und wahrscheinlich kontinuierlich aufgefüllt.

August/Sept.1944        

Aus dem WG Anklam kommen mehrere hundert Häftlinge in die
Sonderformation Dirlewanger zur Niederschlagung des War-schauer Aufstandes

26. April 1945

Die letzten beiden Hinrichtungen finden im WG Anklam statt

28. April 1945

Wachpersonal und die wenigen verbliebenen Häftlinge marschieren in Richtung Westen und werden von der Roten Armee festgenommen

1945 - 1990      

Todeszellen werden Erinnerungsstätten, der Rest Getreidelager

1990 - 2005

keine Nutzung

2005  

Die Stiftung Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam übernimmt das Gebäude

Ausführlichere Informationen finden Sie in der Broschüre "Das ehemalige Wehrmachtsgefängnis Anklam"
von U. Schulz und Stephan Tanneberger 2012