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Aufruf zur Schaffung eines Waldes für Frieden und gegen Klimawandel in Anklam

Der am 02.02.2007 veröffentlichte 4. Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das von der World Meteorological Organisation und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen geschaffen wurde, stellt eine Reihe Änderungen im Klimasystem der Erde fest. Die wichtigsten davon sind folgende:


1. Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35% von 280 ppm auf 379 ppm im Jahr 2005 zugenommen. Die Zuwachsrate der letzten 10 Jahre ist die größte seit 50 Jahren. Der heutige Wert ist der größte in den letzten 650.000 Jahren. 78% der Erhöhung gehen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22% auf Landnutzungsänderungen (z.B. Rodungen).

2. Die für Klimaänderungen verantwortlichen Änderungen der Strahlungsbilanz werden vorwiegend durch Kohlendioxid verursacht, in kleinerem Umfang durch andere Treibhausgase. Änderungen der solaren Einstrahlung haben dagegen nur einen geringen Einfluss.

3. Die Erwärmung des Klimasystems ist ohne jeden Zweifel vorhanden. Die globale Oberflächentemperatur ist um +0,74°C gestiegen

4. Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen.

5. Die Ozeane sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3000 m. Diese Erwärmung hat zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen. Der Meeresspiegel ist seit 1993 durchschnittlich um etwa 3 mm pro Jahr gestiegen, im 20.Jahrhundert um 17 cm. Davon ist etwas mehr als die Hälfte verursacht durch thermische Ausdehnung des wärmeren Ozeans, etwa 25% durch Abschmelzen der Gebirgsgletscher, und etwa 15% durch das Abschmelzen der Eisschilde.

6. Klimaprojektionen für die nächsten 100 Jahre lassen sich überzeugend durch Klimamodelle simulieren. Solche Modelle sagen - je nach Energienutzung - eine weitere Temperaturerhöhung und einen Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des 21.Jahrhunderts voraus. Für die letzte Dekade des 21.Jahrhunderts ist der wahrscheinlichste Wert der globalen Erwärmung für das niedrigsteSzenario 1.8°C (1.1 bis 2.9°C), und für das höchste Szenario 4.0°C (2.4 bis 6.4°C). Für den Anstieg des Meeresspiegels sind die Projektionen für 2090-2100: 18-38 cm für das niedrigste und 26-59 cm für das höchste Szenario.

7. Modellergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine dauerhafte Erwärmung deutlich über 3°C über Jahrtausende zu einem vollständigen Abschmelzen des grönländischen Inlandeises führen würde, entsprechend einem Meeresspiegelanstieg um 7 Meter.

Die öffentliche Reaktion auf diese absolut gesicherten Tatbestände ist sehr unterschiedlich und reicht von Horrorszenarien bis zu ironischer, skeptischer oder befremdlicher Ignoranz. Beides ist falsch. Richtig ist das zu tun, was die Menschheit bisher immer getan hat, wenn Gefahr droht, nämlich präventiv zu denken und zu handeln. Tatenlosigkeit angesichts von persönlichen oder gesellschaftlichen Risiken kann schlimme und schlimmste Folgen haben. Das gilt für den Klimawandel weit mehr als für Risiken im Straßenverkehr, Seuchen oder Tabakschaden. Und Geschwindigkeitskontrollen, Schutzimpfungen oder Nichtraucherschutz praktizieren wir mit hohen Kosten bei einem weitaus geringerem Zivilisationsrisiko als beim Klimawandel. Die Maßnahmen gegen die Vogelgrippe sind das überzeugendste Beispiel für präventives Denken in den letzten Jahren. Selbst einschneidende Maßnahme, nachtteilig für Tourismus und die Kleintierhaltung, wurden rigoros durchgesetzt.

Beim Klimawandel verläuft alles bisher anders. Seit mindestens 10 Jahren weisen Wissenschaftler auf die wachsende Gefahr der Treibhauseffekts hin. Die Antwort der Weltöffentlichkeit darauf war für lange Zeit zögerlich. Politik und Wirtschaft versagten. Das Kyoto-Protokoll wurde von der Weltführungsmacht USA, die gleichzeitig Hauptverursacher des Klimawandels ist, nicht unterzeichnet. Gigantische Militärhaushalte versperren den Weg zu angemessenen Maßnahmen zur Senkung der Kohlendioxyd-Belastung der Atmosphäre. Konferenzen wie der EU Gipfel im März 2007 müssen erst nachweisen, daß außer verbalen Beteuerungen, Maßnahmen in Gang gebracht werden, die meßbar etwas verändern.
Im Gegensatz zum weitgehenden Versagen der Verantwortlichen, gibt es eine wachsende außerparlamentarische Weltbewegung für Klimaschutz. An deren Spitze hat sich der ehemalige Vizepräsiden der USA, Al Gore, gestellt. Von ganz entscheidender Bedeutung war der Aufruf der Friedensnobelpreisträgerin 2004, Wangari Maathai, auf der UN Klimakonferenz im November 2006 in Nairobi, eine Milliarde Bäume zum pflanzen. Die Stiftung Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal-Hansestadt Anklam fühlt sich seit Ihrer Gründung im Januar 2005 und mit ihrem Motto „für Frieden zwischen den Menschen und mit der Natur" dem Zusammenhang zwischen Frieden und Umweltschutz verpflichtet. Demgemäß war es selbstverständlich, sich der Initiative von Wangari Matthai anzuschließen.
Unter den als Abwehr möglichen Maßnahme zum Klimaschutz spielen Baumpflanzungen, Dächerbegrünung und andere Maßnahmen zur Steigerung der Kohlendioxyd Assimilation eine wichtige Rolle. Gegenüber anderen Maßnahmenkomplexen zeichnen sich solche Initiativen durch Einfachheit und geringe Kosten aus. Natürlich weisen Skeptiker darauf hin, daß man mit Baumpflanzungen allein, nicht den Klimawandel aufhalten wird. Aber alle sind sich einig, daß nur ein Netzwerk aus unterschiedlichen Maßnahmen, die fortschreitende Verwüstung unserer Atmosphäre aufhalten kann.

Dank der Arbeiten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verfügen wir über wissenschaftliche Arbeiten, in denen nachgewiesen wird, daß eine natürliche Kohlendioxyd-Verklappung durch Aufforstung eine sinnvolle und billige Maßnahme der CO2 Reduzierung ist. Aloys Hüttermann von der Universität Göttingen und Jürgen Metzger von der Universität Oldenburg, beides Mitglieder der Umweltchemie-Fachgruppe der GDCh. begründen in einem Beitrag in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nachrichten aus der Chemie" (Bd. 52, S. 1133) den Wert einer Wiederaufforstung und weisen darauf hin, daß die Produktion von Biomasse seit Millionen von Jahre eine erprobte Form der Festlegung von Kohlendioxyd aus der Atmosphäre ist. Hüttermann und Metzger rechnen vor, daß ein Hektar Wald in einem Zeitraum von 50 Jahren 2000 bis 3000 Tonnen Kohlendioxyd in Form von Holz und Humus akkumuliert. In die Waagschale zugunsten der Aufforstung werfen Hüttermann und Metzger zudem, daß man damit der fortschreitenden Entwaldung und Wüstenbildung entgegenwirken kann. Anpflanzungen verhindern, daß der Erdboden erodiert, und sie verbessern dessen Fähigkeit, Wasser zu speichern. Diese Forschergruppe verweist zudem darauf, daß sich grundsätzlich aus Holz all das herstellen läßt, was wir als Grundlage für unsere Zivilisation benötigen und nutzen diese Feststellung zum Appell, die Weltwirtschaft ökologisch umzubauen. Anstatt aus fossilen Ressourcen könnten Treibstoffe und Chemikalien - Kohlendioxydneutral - aus der Biomasse von den aufgeforsteten Flächen gewonnen werden.

Ganz besonders spricht für Aufforstungsinitiativen, daß hier im Gegensatz zu anderen Maßnahmen des Klimaschutzes (eingeschränkte Pkw -Nutzung, Abgasarme Autos, Veränderung der Flugreisegewohnheiten u.a,) sehr rasch Verständnis und Zustimmung in der breiten Bevölkerung erreicht wird. In Österreich sprechen sich gemäß einer repräsentativen Umfrage 85% der Bevölkerung für rasche Aufforstungsmaßnahmen aus. Seitens der Stiftung Zentrum für Friedensarbeit-Otto Lilienthal- Hansestadt Anklam wurde die gleiche Erfahrung gemacht. Die Initiative Friedenswald fand viel Unterstützung bei den Anklamern. Spontan haben 30 Personen verbindlich zugesagt, das Vorhaben Friedenswald mit Eigenleistungen verschiedenster Art zu unterstützen. Diese haben verstanden, daß keine Zeit mehr für verbale und zeitraubende Erörterungen zum Klimaschutz gegeben ist, sondern daß es auf rasches und effektives Handeln ankommt, wenn ein Klimakollaps verhindert werden soll. Sie haben verstanden, daß der dringlich Aufruf von Wangari Matthai nicht ein Aufruf für das nächste Jahrzehnt, sondern für 2007 ist.
Es besteht kein Zweifel, daß Anklam, als die erste und vorerst einzige Stadt in Mecklenburg- Vorpommern mit einem Friedenswald, weiter an Profil als Stadt des Friedens gewinnt. Die Initiative der Stiftung, welche bereit ist, die volle, auch ökonomische Verantwortung für die 1. Etappe auf dem Weg zu einem Wald für Frieden in Anklam (Aufforstung Fläche B) zu übernehmen, sollte als Start für eine weitergehende Aufforstung, als gemeinsames Anliegen von Stadt und Stiftung, verstanden werden. Anklam wird so ein Beispiel geben, wie eine Stadt sich Fragen unserer Zeit stellt und zudem touristisch noch attraktiver werden.

Prof. Dr. Dr. Stephan Tanneberger
Ehrenvorsitzender