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Nachruf

Das Zentrum für Friedensarbeit „Otto Lilienthal“ der Hansestadt Anklam trauert um den Ehrenvorsitzenden seines Stiftungsvorstandes, Prof. Dr. Dr. Stephan Tanneberger, der am 5. März 2018 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

 

Prof. Tanneberger, ausgebildet als Chemiker und Arzt, war in seinem Berufsleben vor allem Wissenschaftler und Krebsforscher.  Während einer mehr als zwei Jahrzehnte währenden Leitungstätigkeit am Zentralinstitut für Krebsforschung der DDR (1974 bis 1990 als Direktor) sowie seiner dann folgenden Zeit als Ärztlicher Direktor und Forschungsleiter bei der Nationalen Krebsbekämpfungsassoziation Italiens und als Professor der Universität Bologna hat er große Beiträge zur Aufklärung des Phänomens Krebs und zur Entwicklung effektiver Heilungs- und Linderungsstrategien geleistet. 

 

Sich bei alledem für Frieden zwischen den Menschen und mit der Natur einzusetzen, war für Prof. Tanneberger eine Selbstverständlichkeit.  Schon zu DDR-Zeiten, vor allem aber in seiner späten Berufsphase nach der deutschen Wiedervereinigung, setzte sich Prof. Tanneberger parallel zu seiner medizinischen Arbeit intensiv als Entwicklungshelfer und Friedensbotschafter für die internationale Völkerverständigung ein.  Deshalb war er seit den 1990er Jahren für die Weltgesundheitsorganisation WHO als Berater in Bangladesh, Albanien, Indien und Korea unterwegs, setzte sich für den Aufbau einer leistungsfähigen Medizin in Entwicklungsländern ein und war sich dabei nie zu schade, zum einfachen Patienten zu gehen, Visite an der Basis zu fahren und dort zu wirken, wo das Leid am größten und die helfende Hand am nötigsten war.

Mitte der 2000er Jahre verlegte Prof. Tanneberger seinen Lebensmittelpunkt auf die Insel Usedom und  entwickelte 2005 gemeinsam mit Frau Landrätin Dr. Barbara Syrbe, Herrn Bürgermeister Michael Galander, Dr. Michael Waßermann, Prof. Dr. Michael Succow, Prof. Otto Kummert und Prof. Dietmar Enderlein  die Idee zur Gründung des Zentrums für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam. Mit aktiver Friedensarbeit wollten und wollen diese Aktivisten verdeutlichen, dass die Menschheit alle ihre Ressourcen in Entwicklungen zum Wohle der Menschen investieren sollte, nicht jedoch in kriegerische Auseinandersetzungen.  Als Vorsitzender des Stiftungsvorstands hatte er wesentlichen Anteil daran, dass das ehemalige Wehrmachtsgefängnis in Anklam als Gedenkstätte eingerichtet werden konnte, zahlreiche Diskussions- und Vortragsveranstaltungen stattfanden und in Anklam die Anpflanzung des Anklamer Waldes für Frieden und gegen Klimawandel gelang, der mit seinen demnächst Tausend Bäumen am Umweltprogramm der Vereinten Nationen mitwirkt.

Möge der Frieden, für den Stephan Tanneberger sein Leben lang gekämpft hat, nun auch ihm beschieden sein.

Michael Galander

Dr. Barbara Syrbe

Bürgermeister der Hansestadt Anklam

Landrätin Vorpommern-Greifswald

Vorsitzender des Stiftungsvorstands

Vorsitzende des Stiftungskuratorium

Nachruf

Am 28.12.2016 ist Herr Ulrich Schulz verstorben. Wir nehmen seinen Tod zum Anlass, um einem Menschen zu gedenken, der ganz entscheidenden Anteil daran hat, dass das ehemalige Wehrmachtsgefängnis in Anklam ein wichtiger Teil unseres Friedenszentrums werden konnte. Dieses Gebäude wurde nach der letzten Hinrichtung eines Gefangenen am 26. April 1945, bei Kriegsende von Hitlers Truppen verlassen. Dank Herrn Ulrich Schulz und der Arbeit seiner Forschungsgruppe beim damaligen Kulturbund der DDR verfügen wir heute über wesentliche Kenntnisse über die Vorgänge im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis. Sie bildeten die Grundlage für die weitere Forschungsarbeit. Ihm ist es auch maßgeblich zu verdanken, dass der Todeszellentrakt in der DDR als Gedenkstätte erhalten wurde. Mit einer Kranzniederlegung wurde in jedem Jahr an die Opfer der Hitlerdiktatur erinnert. Auch im fortgeschrittenen Alter nahm Herr Ulrich Schulz dann an der 2005 beginnenden Arbeit des Zentrums für Friedensarbeit persönlich Anteil. Im Namen der Förderer, Freunde und Mitarbeiter des Friedenszentrums gedenken wir Herrn Ulrich Schulz als einem immer aktiven Historiker und Lehrer in Anklam. Diese Erinnerung ist Ansporn für unsere Arbeit für Frieden in der Welt. Wir werden Herrn Ulrich Schulz nie vergessen!

Dr. Barbara Syrbe

Prof. Dr. Dr. Stephan Tanneberger

Michael Galander

Kuratoriumsvorsitzende

Ehrenvorsitzender des Vorstandes

Vorstandsvorsitzender

Seit dem 19. Februar 2018 habe Tanneberger im Krankenhaus gelegen, nachdem er am Abend des 19. Februar in seinem Haus in Liepe auf Usedom gestürzt war, wie Galander sagte. Tanneberger kam ins Greifswalder Uniklinikum, wo er noch am späten Abend operiert und in ein künstliches Koma versetzt wurde, aus dem er nicht mehr vollständig erwachte, so Galander. Er lag bis zuletzt auf der Intensivstation.

 

Großer Verdienst für Anklam

Galander selbst habe Tanneberger am 19. Februar 2018 noch vor dem Sturz zu Hause besucht. "Es war deutlich erkennbar, dass es ihm nicht gut geht", sagte Galander. Tanneberger habe blass und abgemagert ausgesehen.

Jeannine Rösler, Vorsitzende der Linken im Landkreis Vorpommern-Greifswald und Kuratoriumsmitglied des Friedenszentrums, sagte: „Wir werden die tiefgehenden, stets freundlichen Gespräche mit ihm und seine kritischen Beiträge zu politischen Fragen sehr vermissen.”

Tanneberger hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass das ehemalige Wehrmachtsgefängnis in Anklam teilrestauriert und eine Stätte des Gedenkens wurde. Auch für das Projekt „Wald für Frieden und gegen Klimawandel”, als Teil des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), in der Anklamer Südstadt setzte er sich ein. „Sein Verdienst für Anklam, die Region und weit darüber hinaus ist unbestritten”, so Rösler in einer Mitteilung.